Heizungsbauer
Die norwegische Erfahrung: Installateur und Heizungsbauer Maik Kunde, Güstrow
(10/2006) Maik Kunde wurde 1983 in Güstrow geboren. Der Installateur und Heizungsbauer, der im April 2005 vor der Handwerkskammer Schwerin seine Meisterprüfung abgelegt hat, arbeitet nun seit etwas mehr als einem Jahr in einem norwegischen Betrieb. Was hat ihn dazu motiviert und wie lebt und arbeitet es sich für einen Mecklenburger Handwerker in Norwegen?

Herr Kunde, wann und wie entstand die Idee im Ausland zu arbeiten und warum fiel die Wahl speziell auf Norwegen?
Kunde: Ich habe schon während meiner Ausbildung davon geträumt, einmal im Ausland zu arbeiten und zu leben. Speziell auf Norwegen bin ich durch Medienberichte aufmerksam geworden, denn Dokumentationen über Leute, die auswandern und Deutschland den Rücken zuwenden, gibt es ja reichlich. Andere Länder wären aber weniger in Frage gekommen. Norwegen hat ein absolut starkes und konstantes Wirtschaftswachstum. Es hätte vielleicht auch noch Schweden sein können, aber ironischer Weise arbeiten unglaublich viele Schweden in der norwegischen Baubranche, das spricht ja auch für sich. Ich habe mich letztlich für Norwegen entschieden, da dem Land und seinen Arbeitsbedingungen ein sehr guter Ruf vorausgeeilt ist.
Wie haben Sie sich dann konkret über das Land und die dortigen Arbeits- und Lebensbedingungen informiert?
Kunde: Ich habe mir größtenteils selbst die wichtigen Informationen zusammengesucht, habe zum Beispiel viel in entsprechenden Internetforen gelesen, dazu vieles aus dem Fernsehen erfahren. Ich habe aber auch mit Leuten gesprochen die zu dem Zeitpunkt bereits dort lebten.
Was unterscheidet das Arbeiten in Norwegen von Deutschland bzw. Mecklenburg-Vorpommern? Wie kommt man mit Land und Leuten zurecht? Gibt es grundlegende Probleme?
Kunde: Das Arbeiten an sich ist eigentlich nicht so sehr anders als bei uns in Mecklenburg-Vorpommern. Die Arbeitsweise ist aber eine ganz andere. Die Leute arbeiten sehr ruhig und mit dem Kopf, ohne sich großartig zu stressen. Die gewöhnliche Arbeitswoche hat hier auch nur 37,5 Stunden, der Druck ist bei weitem nicht so groß.
Speziell im Sanitär- und Heizungsbereich kommen viele deutsche Materialien, Werkzeuge und Techniken zum Einsatz. Das hat den Einstieg für mich sehr erleichtert. In der ersten Zeit wurde ich von meinem norwegischen Vorarbeiter sogar teilweise ausgebremst, ich sollte es doch ein wenig ruhiger angehen lassen. Ich selber hatte dabei gar nicht das Gefühl, zu viel oder zu schnell gearbeitet zu haben, aber so ist das halt hier. Mittlerweile habe ich mich aber an das gemäßigte Arbeitstempo gut angepasst.
In punkto Land und Leute hatte ich eigentlich erwartet, auf den Baustellen mehr Norweger anzutreffen. Das ist aber nicht der Fall. Dass an einem einzigen Tag fast zehn verschiedene Nationalitäten anzutreffen sind, ist keine Seltenheit. Ich arbeite unter anderem mit Polen, Litauern, Engländern, Türken, Marokkanern, Israelis, Pakistani und Arabern zusammen. In dieser Hinsicht sollte man viel Toleranz mitbringen. Man sollte selbst auch nie vergessen dass man hier auch nur ein »deutscher« Ausländer ist. Grundlegende Probleme hatte ich bisher nicht, am Anfang standen natürlich die Sprachprobleme, aber ansonsten war alles relativ unproblematisch.
Welches Ansehen haben das deutsche Handwerk und die Qualifikation der deutschen Handwerker in Norwegen?
Kunde: Dem deutschen Handwerk eilt nach wie vor ein sehr guter Ruf voraus, der Ruf des »Perfektionismus«. Die Norweger schätzen sehr die gute Arbeitsmoral der Deutschen, die Zuverlässigkeit und das selbständige Arbeiten.
Wollen Sie dauerhaft in Norwegen bleiben oder nach MV zurückkommen?
Kunde: Es ist noch viel zu früh, um sich festzulegen. Ich bin gerade mal 23 Jahre alt und habe fast noch mein ganzes Leben vor mir. Aber mir geht es auch finanziell zurzeit sehr gut hier. Ich habe seit neuestem auch meinen Meisterbrief geltend machen können. Ich bekomme jetzt zu meinem normalen Stundenlohn noch eine sogenannte »Kompetansetilleg«, das bedeutet übersetzt »Qualifikationszuschlag«. Demnächst fahre ich auch einen Firmenwagen und zudem bin ich nun seit einem halben Jahr mit einer wunderschönen blonden Norwegerin zusammen. Das macht alles hier natürlich noch um einiges besser.
Quelle: NordHandwerk, Ausgabe Oktober 2006. Interview: Petra Gansen, Foto: privat.
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