Malermeister
Meister der Illusion: Malermeister Andreas Mursall, Börzow
(11/2006) In den Keller gehen, eine Tür öffnen und plötzlich von der Terrasse aufs Mittelmeer schauen? Das muss keine Wahnvorstellung sein, sondern kann passieren, wenn man Malermeister Andreas Mursall an seine Wände lässt. Er beherrscht die nahezu perfekte Täuschung des Auges in wirklich aufsehenerregender Qualität.
Das Malern wurde ihm zwar in die Wiege gelegt, so recht wahrhaben wollte Andreas Mursall das aber erst mal nicht. Statt gleich das Maler- und Lackiererhandwerk zu lernen und in den seit 1992 bestehenden Betrieb des Vaters einzusteigen, zog es ihn nach der Schule zunächst für acht Jahre zur Bundesmarine.
Dann aber lockten Heimat und Familie den heute 34-Jährigen zurück ins Mecklenburgische, nach Börzow bei Grevesmühlen. Hier setzte sich auch die genetische Bestimmung zum Malerhandwerk endlich durch. Die wegen der sehr guten Leistungen verkürzte Lehre im väterlichen Betrieb schloss er mit einer Eins in der praktischen Prüfung ab. Danach ging es gleich weiter zur Meisterschule, die im Dezember 2004 ebenfalls mit der hier sehr selten vergebenen Note Eins in der praktischen Prüfung endete.
Dass er die Meistervorbereitung im Bildungszentrum der Handwerkskammer Schwerin absolvierte, zahlte sich für alle aus. Andreas Mursall bekam eine gute Schule und die Kammer eine tolle Mittelmeeraussicht an die Wand des großen Flures im Bildungszentrum.
Dort prunkend, hat das Bild Andreas Mursall sogar schon Kunden zugeführt. Ein Besucher des Zentrums in der Schweriner Werkstraße war von dem Wandbild so angetan, dass er für sein Haus gleich auch so etwas haben wollte.
Was aber macht Mursalls Arbeiten so besonders? Bei Malermeister Mursall paart sich ein schon künstlerisch zu nennendes Talent mit einem großen Hang zur Perfektion und mit einer profunden Weiterbildung und Spezialisierung. Mehrere kostspielige Seminare bei Ursula und Martin Benad, den Inhabern des Münchner Atelier Benad für Farbgestaltung und Wandmalerei hat Andreas Mursall in seine Professionalisierung investiert. »Gut angelegtes Geld«, davon ist er überzeugt.
Mit den Standardangeboten des Familienbetriebes hauptsächlich in Mecklenburg, im Lübecker Raum oder in Hamburg unterwegs, bietet Andreas Mursall seine Illusionsmalereien bundesweit an. Um einen schnöden Kellerraum in ein Wellness-Badeparadies zu verzaubern, reist er auch ins tiefste Süddeutschland.
»Hier im Norden gibt es höchstens einen oder zwei Betriebe, bundesweit höchstens etwa zehn, die diese Arbeiten in vergleichbarer Qualität ausführen können«, sagt Mursall. Sobald es die Auftragslage erlaubt, will er sich im Familienbetrieb, der im Schnitt etwa drei bis fünf Mitarbeiter beschäftigt, voll und ganz auf bestimmte »Spezialitäten« konzentrieren. Außer der Illusionsmalerei als seiner Königsdisziplin gehören dazu auch Marmor- und Holzimitationen, Vergoldungen, Beschriftungen, Stuckmarmor oder auch Dekorationsmalerei. Auf seiner Homepage www.atelier-mursall.de zeigt er seine besten Arbeiten in anschaulicher Farbenpracht.
»Meine Illusionsmalereien sind Nahrung für Augen und Seele«, sagt der Meister. »Sie können Stimmungen positiv beeinflussen und verändern das Raumgefühl«. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Persönlichkeit des Kunden und dessen Wohnräume. Jeder soll exakt die Illusion bekommen, die er sich für sein Zuhause wünscht.
Während manche Kunden mit Urlaubsfotos ankommen, beschreiben andere dem Meister ihre Vorstellung ausschließlich mit Worten. Manche möchten nur eine relativ kleine Fläche, z.B. eine Wand des Zimmers mit einer gemalten Aussicht bereichern, andere wiederum den ganzen Raum.
Motive bis zu 10 Quadratmetern arbeitet Andreas Mursall auf einer Leinwand aus. Das hat den Vorteil, ausschließlich im eigenen Atelier arbeiten zu können, während großflächige Arbeiten direkt beim Kunden auf die Wand gebracht werden. Dies erfordert dann natürlich einen längeren Aufenthalt vor Ort. Durchschnittlich 250 bis 500 Euro pro Quadratmeter müssen bei Mursall als Kalkulationsbasis für die Illusionsmalerei zugrunde gelegt werden. »Wenn diese Leistung für unter 200 Euro angeboten wird, taugt sie in der Regel nicht viel«, erläutert Mursall. Bei derart billigen Angeboten werde meist ein Motiv per Beamertechnik an die Wand projiziert und dann einfach abgemalt. »Verzerrungen der Kanten und eine Verfälschung der Perspektive sind dabei vorprogrammiert«, warnt der Experte.
Vor jeder Arbeit, ob auf Leinwand oder direkt auf der Wand steht die Besichtigung der Wohnräume beim Kunden. Die Malerei muss sich perfekt an die vorhandenen räumlichen Gegebenheiten anpassen, darf kein aufgesetzter Fremdkörper, sondern muss sozusagen »nahtlos« eingepasst sein. »Ich greife die vorhandene Architektur auf und arbeite sie in das Bild ein«, so Mursall. Nicht selten steht hinter dem Auftrag für eine Illusionsmalerei der Wunsch des Kunden, einen Raum zu öffnen, Durchgänge zu schaffen, trotz schützender Mauern Weite und Unbegrenztheit empfinden zu können.
Besonders populär ist die Illusionsmalerei bei Hotels und Privatkunden mit großzügig ausgestatteten Wellness-Bereichen. Andreas Mursall hat kürzlich einem Kunden dessen Traum von seiner eigenen Oase der Entspannung gestaltet. Der Kunde hatte sich eine nicht mehr genutzte Garage mit Sauna und Whirlpool eingerichtet. Andreas Mursall hat zwei Garagenwände als Terrasse mit Mittelmeerblick, Säulen und viel blauem Himmel gestaltet. Das Bild reicht durchgehend von einer Wand über die Ecke bis ans Ende der anderen Wand. Der Clou: von der Ecke ist nichts mehr zu sehen, sie ist quasi »weggezaubert«. An dem etwa 22 Quadratmeter großen Motiv hat Andreas Mursall inklusive Konstruktion und Oberflächenvorbehandlung acht Wochen gearbeitet.
Wichtigste Grundlage dieser außergewöhnlichen Täuschungskraft von Mursalls Arbeiten ist seine akribische Konstruktionsarbeit am Zeichentisch. Jedes Motiv, das später einmal aus einer Wand einen Ausschnitt der Welt macht, wird an seinem Zeichentisch geboren, selbst wenn es dafür eine Vorlage in Form eines Fotos oder einer Zeichnung gegeben hat. Darüber hinaus achtet er auch in der Auswahl seiner Materialien auf höchste Qualität. So kommen ausschließlich Künstlermalfarben zum Einsatz, die sich vor allem durch hohe Leuchtkraft und lange Haltbarkeit auszeichnen.
In Mecklenburg würde Andreas Mursall am liebsten im großen Stil Außenfassaden bemalen und damit aus unattraktiven Baulücken richtige Hingucker machen. Die Vorspiegelung intakter Innenstädte und Ortszentren wäre zwar nur »schöner Schein«, aber auch hier wäre die Illusion, wie so häufig im Leben, viel schöner als die Realität.
Quelle: NordHandwerk, Ausgabe November 2006. Text: Petra Gansen.
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